Aloe vera

Aloe vera besitzt ein überragendes Wirkprofil

Schon im Altertum stand die Aloe vera hoch im Kurs. Gesundheit, Schönheit und Unvergänglichkeit sollte sie bringen, so hieß es. Es verwundert also kaum, dass diese kaktusartige Pflanze in den verschiedenen Kulturen ganz besondere Namen wie etwa „stumme Heilerin“, „die heilige Wissende“ oder „Stab des Himmels“ hat(te). In der Karibik gibt es die Überlieferung, eine Göttin lebe in der Aloe. Christoph Columbus soll die Pflanze als „Arzt im Blumentopf“ bezeichnet haben. Und da ist einiges dran.

Inhaltsstoffe von Aloe-Saft und -Gel unterscheiden sich

Zunächst einmal: Es existieren Hunderte Aloe-Arten. Die gängigen Aloe-Produkte werden meistens aus der schon genannten Aloe vera gewonnen (sie wird auch als Aloe barbadensis oder Wüstenlilie bezeichnet). Es gibt zwei Möglichkeiten, welcher Teil der Pflanze genutzt wird. Der Saft, der sich grob gesagt unter der Blattrinde befindet, enthält Anthrachinone. Sie sind vor allem für ihre abführende Wirkung bekannt, haben allerdings noch andere Effekte. Aus dem Inneren der Aloe-Blätter lässt sich wiederum ein Gel extrahieren, das hauptsächlich aus Wasser, aber auch aus Fetten, Mineralien, Aminosäuren und einem bestimmen Zuckermolekül (Acemannan) besteht. Aloe kann – je nach Produkt – äußerlich oder innerlich angewendet werden und gilt bei verschiedenen Krankheiten als sinnvolles Mittel.

Aloe-Extrakt als optimale Therapie beim Reizdarm

Nehmen wir zum Beispiel das Reizdarmsyndrom. Die Betroffenen haben meistens eine längere Leidensgeschichte: Immer wieder zwickt und schmerzt es im Magen-Darm-Trakt; mal treten Durchfälle auf, dann geht es wieder mit Verstopfung weiter; dazu kommen häufig Blähungen. Und all das lässt sich nur schlecht greifen, weil die Untersuchungsergebnisse unauffällig sind, sich also keine organische Ursache finden lässt. Es gibt noch viele offene Fragen rund um die Krankheit. Und das macht es schwierig, die Beschwerden zu lindern. Aloe vera scheint hier tatsächlich vielversprechend zu sein. So hat eine Studie schwedischer Forscher an der Universität Göteborg gezeigt, dass ein bestimmtes Aloe vera-Extrakt (PROIBS®) eine hervorragende Therapieoption darstellt. Es deutet alles darauf hin, dass das Mittel gut wirkt und Linderung bringt. Ganz wichtig: Das Präparat, das bei dieser Untersuchung eingesetzt wurde, enthält nicht den Stoff Aloin. Dieser kommt in vielen Aloe-Arten vor, wird zudem gegen Verstopfung eingesetzt, kann aber beträchtliche Nebenwirkungen haben.

Weniger Blähungen und Schmerzen mit PROIBS® beim Reizdarmsyndrom

Um herauszufinden, wie das Aloe-Präparat PROIBS® im Vergleich zu einem Scheinmedikament auf das Reizdarmsyndrom wirkt, wurden die Studienteilnehmer zu ihren Symptomen befragt bzw. füllten während der Studie jede Woche entsprechende Fragebogen aus.

Das Ergebnis:
Während die Mehrzahl der Aloe-Probanden positiv auf das Mittel reagierte, war das bei den Placebo-Probanden noch nicht einmal bei jedem Dritten der Fall. In der PROIBS®-Gruppe waren Magen-Darm-Symptome wie Blähungen sowie Schmerzstärke und -häufigkeit demnach nicht mehr so heftig. Dagegen blieben die Beschwerden in der Placebo-Gruppe genauso stark wie vorher. Die Forscher vermuten, dass Aloe durch antioxidative und antientzündliche Effekte Linderung bringt.

PROIBS® laut Studie gut verträglich und sicher

Ganz wichtig ist immer auch die Frage nach möglichen unerwünschten Wirkungen. Was die schwedische Studie anbelangt, so vertrugen die Aloe-Probanden das Mittel gut. Es gab keine gravierenden Nebenwirkungen.

Chronische Entzündungen im Verdauungstrakt lassen nach

Auch bei einer anderen Erkrankung, die den Darm betrifft, sorgt Aloe vera offenbar für Besserung – und zwar bei der Colitis ulcerosa. Die Colitis gehört zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Bei Patienten, die einen Monat lang zweimal pro Tag Aloe vera-Gel schluckten, gingen die Symptome zurück. Ablesen ließ sich das an einem Index, der die Colitis-Aktivität anhand verschiedener Kriterien (z.B. Blut im Stuhl, Symptome außerhalb des Darmes, generelle Gesundheit und Stuhldrang) einordnet. Dass sich die Beschwerden legten, liegt vermutlich an den antientzündlichen Eigenschaften der Aloe vera.

Produkte

Auch bei Verbrennungen und Schuppenflechte wirksam

Äußerlich aufgetragen soll Aloe vera-Extrakt die Haut schützen – auch hier bremsen die Pflanzenstoffe Entzündungen. Außerdem wirkt das Extrakt antioxidativ. Das heißt, es werden freie Radikale abgefangen und damit unschädlich gemacht. Darüber hinaus spendet das aus der Pflanze gewonnene Gel Feuchtigkeit und vermindert einen möglichen Juckreiz. Insgesamt verfügt die Aloe dadurch über die Fähigkeit, Hauterkrankungen wie die Akne oder die Schuppenflechte zu lindern. Geeignet ist Aloe vera-Gel darüber hinaus bei Verbrennungen der Haut, z.B. bei einem Sonnenbrand. Bei einer Erhebung mit 40 Probanden kam heraus, dass Aloe vera-Gel einen Sonnenbrand stärker abschwächt als leichte Kortisonsalben (genauer: 1%iges Hydrokortison).

Bessere Wundheilung durch Aloe-Extrakt

Schon in früheren Zeiten wurde das Extrakt der Pflanze eingesetzt, um Wunden zu heilen. In einer Untersuchung bei Menschen, denen vergrößerte Hämorrhoiden entfernt worden waren, half Aloe-Creme, die postoperativen Schmerzen zu verringern und die Heilung zu beschleunigen. Es gibt zudem Vermutungen, dass Aloe-Extrakt an der Haut Beschwerden mildert, die durch eine Strahlentherapie im Rahmen einer Krebsbehandlung auftreten können. Allerdings konnte das in Studien bisher nicht eindeutig bestätigt werden.

Bestimmte Inhaltsstoffe könnten Tumoren vorbeugen

Bleiben wir noch beim Thema „Krebs“. Generell scheint Aloe vera hier unter bestimmten Umständen einen Nutzen zu bringen. So lassen Labor- und Tierversuche vermuten, dass Bestandteile der Pflanze (genauer das Aloin-Emodin) antitumoröse Eigenschaften haben. Es besteht aber weiter das Problem, dass gerade Aloin auch Nebenwirkungen haben kann, die nicht zu unterschätzen sind.

In Studien stieg die Überlebensrate von Krebs-Patienten

Solche Untersuchungen an Tieren oder im Reagenzglas sind ohnehin nicht so einfach auf den Menschen übertragbar. Es existiert aber beispielsweise auch eine Studie zur Wirkung von Aloe vera bei insgesamt 240 Patienten, die sich einer Chemotherapie unterzogen. Dazu gehörten Menschen mit Lungen-, Darm-, Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Autoren der Studie stellten fest, dass bei den „Aloe-Probanden“ (sie bekamen dreimal pro Tag ein Extrakt aus frischen Blättern) der Anteil derjenigen, bei denen sich der Tumor zurückbildete, die subjektiven Beschwerden nachließen und die Überlebensrate stieg, höher ausfiel als bei denjenigen Studienteilnehmern, die ein Scheinmedikament bekommen hatten.

Aloe vera bietet unterm Strich ein vielfältiges Wirkspektrum

Sie sehen also: Die Aloe vera ist eine besondere Heilpflanze. Ihr Extrakt schützt und pflegt die Haut, bekämpft Probleme wie Akne oder Sonnenbrand. Zugleich hat die Pflanze ein großes Potential, wenn sie bzw. ihre Inhaltsstoffe geschluckt werden und so im Inneren des Körpers ihre Wirkung entfalten. Aloe vera-Präparate können also bei Krankheiten wie Krebs, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder dem Reizdarmsyndrom eine aussichtsreiche Therapie bzw. Behandlungsergänzung sein.

Studien:

  • Cárdenas C, Quesada AR, Medina MA: Evaluation of the anti-angiogenic effect of aloe-emodin. 2006.
  • Eshghi F, Hosseinimehr SJ, Rahmani N, Khademloo M, Norozi MS, Hojati O: Effects of Aloe vera cream on posthemorrhoidectomy pain and wound healing: results of a randomized, blind, placebo-control study. 2010.
  • Khorasani G, Hosseinimehr SJ, Azadbakht M, Zamani A, Mahdavi MR: Aloe versus silver sulfadiazine creams for second-degree burns: a randomized controlled study. 2009.
  • Langmead L, Feakins RM, Goldthorpe S, Holt H, Tsironi E, De Silva A, Jewell DP, Rampton DS: Randomized, double-blind, placebo-controlled trial of oral aloe vera gel for active ulcerative colitis. 2004.
  • Langmead L, Makins RJ, Rampton DS: Anti-inflammatory effects of aloe vera gel in human colorectal mucosa in vitro. 2004.
  • Lissoni P, Rovelli F, Brivio F, Zago R, Colciago M, Messina G, Mora A, Porro G: A randomized study of chemotherapy versus biochemotherapy with chemotherapy plus Aloe arborescens in patients with metastatic cancer. 2009.
  • Maenthaisong R, Chaiyakunapruk N, Niruntraporn S, Kongkaew C: The efficacy of aloe vera used for burn wound healing: a systematic review. 2007.
  • Reuter J, Jocher A, Stump J, Grossjohann B, Franke G, Schempp CM: Investigation of the anti-inflammatory potential of Aloe vera gel (97.5%) in the ultraviolet erythema test. 2008.
  • Richardson J, Smith JE, McIntyre M, Thomas R, Pilkington K: Aloe vera for preventing radiation-induced skin reactions: a systematic literature review. 2005.
  • Størsrud S, Pontén I, Simrén M: A Pilot Study of the Effect of Aloe barbadensis Mill. Extract (AVH200®) in Patients with Irritable Bowel Syndrome: a Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Study. 2015.
  • Xiao B, Guo J, Liu D, Zhang S: Aloe-emodin induces in vitro G2/M arrest and alkaline phosphatase activation in human oral cancer KB cells. 2007.

 

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