Weihrauch

Weihrauch (Boswellia): Das Multitalent unter den pflanzlichen Wirkstoffen

Weihrauch verbinden Sie vermutlich am ehesten mit dem Räucherwerk, das für religiöse Zwecke genutzt wird (übrigens nicht nur in der katholischen Kirche, sondern auch bei Feiern in Indien oder Afrika). Das Material, das bei diesen Zeremonien abgebrannt wird, wird aus dem Weihrauchbaum gewonnen. Schneidet man in den Stamm oder die Äste, so bildet sich an den Stellen ein Gummiharz. Es sieht meistens gelblich-braun aus, manchmal geht es auch ins Rötliche. Wird dieses Harz verbrannt, entsteht der markante Duft. Aber der Weihrauchbaum eröffnet noch ganz andere Möglichkeiten. Aus dem Harz lässt sich ein Extrakt herstellen, das äußerlich (z.B. als Salbe) oder innerlich angewendet werden kann – dann wird es in der Regel in Tablettenform gebracht und geschluckt; Inhalationen mit Weihrauchöl sind ebenfalls möglich.

Wirksam sind vor allem die Boswelliasäuren

Die Wirkungen sind vielfältig: Weihrauch soll Entzündungen bremsen, Schmerzen verringern, das Immunsystem stärken sowie Krebszellen und Bakterien bekämpfen. Auch um Ängste, leichte Depressionen und Schlafstörungen zu lindern, scheint Weihrauch ein geeignetes Mittel zu sein. Cremes oder Salben aus dem Extrakt werden eingesetzt, um Wunden zu heilen. Verantwortlich für die gesundheitsfördernden Eigenschaften sind wohl vor allem die Boswelliasäuren, die in dem Harz enthalten sind.
Schauen wir uns etwas genauer an, auf welchen Gebieten sich der Weihrauch bewährt hat.

Therapieoption bei bestimmten Krebserkrankungen

Kurkuma + Weihrauch
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Gerade bei Krebstherapien zeigen Weihrauch-Präparate in Studien erstaunliche Effekte. Für Menschen mit Hirntumoren beispielsweise können solche Mittel möglicherweise sinnvoll die verschiedenen Bausteine einer Behandlung ergänzen. Dabei geht es um folgendes: Nicht selten kommt es bei dieser Krebserkrankung dazu, dass sich zu viel Flüssigkeit im Gehirn ansammelt (sogenanntes Hirnödem). Das Gehirn schwillt an, es kommt zu einem erhöhten Hirndruck, der gefährlich werden kann. Oft wird dann Kortison eingesetzt. Aber Weihrauch ist offenbar ebenso in der Lage, die Flüssigkeitsansammlung zu mindern.

Weihrauch in Studien wirksamer als Scheinmedikamente

Forscher der Universität Freiburg belegten, dass Weihrauch-Präparate einen größeren Einfluss auf die Ödeme haben als Scheinmedikamente. Entscheidend scheint zu sein, dass Weihrauch in den Leukotrien-Stoffwechsel eingreift und auf diese Weise Entzündungsvorgänge und somit Ödeme abschwächt. Es wurde zudem beobachtet, dass eine vergleichsweise hohe Dosis die stärksten Effekte bringt. Der Vorteil an den Extrakten ist, dass sie in der Regel weniger Nebenwirkungen haben als Kortison.

Krebszellen werden in den Selbstmord getrieben

Die Wirkung von Weihrauch beschränkt sich aber wohl nicht nur auf bösartige Wucherungen im Gehirn. Es gibt Hinweise, dass die Inhaltsstoffe generell antitumorale Eigenschaften haben. So heißt es, die Substanzen unterstützten die sogenannte Apoptose, der Selbstzerstörungsprozess der Tumorzellen werde also gefördert – und das offenbar auch bei solchen Zellen, die auf keine der üblichen Chemotherapien reagieren.
Wie die Weihrauch-Inhaltsstoffe das alles genau machen, welche Mechanismen dahinter stecken, ist noch nicht endgültig erforscht. Klar ist aber: Weihrauch brachte nicht nur in Erhebungen zu Hirntumoren gute Ergebnisse; positive Untersuchungen gibt es auch zur Wirkung bei Krebserkrankungen von Darm, Brust, Bauchspeicheldrüse und Blase.

Entzündungsprozesse werden eingedämmt

Eines der Talente des Weihrauchs liegt in seiner Kraft, Entzündungen zu bekämpfen – das wurde bereits bei der Therapie von Krebserkrankungen deutlich. Die Boswelliasäuren stellen sich bestimmten Enzymen wie Prostaglandinen und Leukotrienen entgegen (von letzteren haben Sie ja schon weiter oben gelesen), die an Entzündungsprozessen beteiligt sind. Dadurch schwellen auch dicke, gerötete, heiße und vor allem schmerzhafte Gelenke ab, die beispielsweise bei Rheumaleiden auftreten können.

Schmerzen bei Kniearthrose lassen nach

Die Wirkung bei rheumatischen Erkrankungen wurde in Deutschland, aber auch in Indien untersucht (die häufig verwendete Weihrauchsorte „Boswellia serrata“ kommt aus Indien). Patienten mit Kniearthrose, denen ein entsprechendes Präparat verabreicht wurde, berichteten von geringeren Schmerzen. Außerdem stellten sie fest, dass ihre Kniegelenke wieder beweglicher wurden. Die Studie war so angelegt, dass die Betroffenen selbst nicht wussten, ob sie ein Scheinmedikament oder tatsächlich Weihrauch bekamen (Doppelblindstudie). Insofern ist diese Erhebung recht aussagekräftig. Andere Untersuchungen zu rheumatoider Arthritis fielen nicht ganz so eindeutig aus. Die Patienten brauchten zwar unter der Weihrauch-Therapie etwas weniger Schmerzmittel. Der Effekt war aber zu gering, um ihn zweifelsfrei auf das Weihrauch-Präparat zurückführen zu können.

Weihrauch-Präparate ebenso hilfreich wie Aminosalicylate

Bei Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa spielen Entzündungen ebenfalls eine große Rolle. Nicht nur der Darm macht Probleme, sondern manchmal auch andere Organe: Augen, Haut und Gelenke können ebenfalls betroffen sein. Es hat sich herausgestellt, dass Weihrauch es offenbar mit den sogenannten Aminosalicylaten aufnehmen kann, die häufig eingesetzt werden. Das lassen zumindest einige Studien vermuten, bei denen Weihrauch-Extrakte mit Aminosalicylaten verglichen wurden. Zur Information: Zu den Aminosalicylaten gehören Mesalazin und Sulfasalazin.

Mehrfach-Wirkung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Gerade bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen schlägt Weihrauch gleich doppelt zu: Zum einen können die Inhaltsstoffe die Beschwerden an Ort und Stelle lindern, also direkt im Magen-Darm-Trakt; zum anderen entfaltet das Extrakt seine Wirkung auch im restlichen Körper, weil es sich über die Blutbahn verteilt. Äußerst positiv war in der Erhebung, dass die Patienten die Weihrauch-Präparate in der Regel sehr gut vertrugen.

Studien sind vielversprechend

Es gibt eine ganze Reihe von Studien zu Weihrauch. Einige davon wurden unter Laborbedingungen durchgeführt und sind damit nur bedingt auf den Menschen übertragbar. Denn der menschliche Organismus unterliegt sehr vielen Mechanismen, die die Wirkung von Medikamenten beeinflussen und verändern können. Wieder andere Erhebungen wurden mit einer vergleichsweise kleinen Zahl an Teilnehmern gemacht. Weitere Forschungen sind also nötig. Nichtsdestotrotz: Die vorliegenden Daten sprechen dafür, dass Weihrauch-Präparate heilende Effekte haben, sowohl bei Entzündungen als auch bei Krebserkrankungen – und das Studien zufolge ohne nennenswerte Nebenwirkungen.

Studien:

  • Al-Yasiry AR, Kiczorowska B: Frankincense--therapeutic properties. 2016.
  • Böker DK, Winking M: Die Rolle von Boswelliasäuren in der Therapie maligner Gliome. 1997.
  • Gerhardt H, Seifert F, Buvari P, Vogelsang H, Repges R: Therapy of active Crohn disease with Boswellia serrata extract H15. 2001.
  • Gupta I, Parihar A, Malhotra P, Singh GB, Lüdtke R, Safayhi H, Ammon HP: Effects of Boswellia serrata gum resin in patients with ulcerative colitis. 1997.
  • Kimmatkar N, Thawani V, Hingorani L, Khiyani R: Efficacy and tolerability of Boswellia serrata extract in treatment of osteoarthritis of knee – a randomized double blind placebo controlled trial. 2003.
  • Kirste S, Treier M, Wehrle SJ, Becker G, Abdel-Tawab M, Gerbeth K, Hug MJ, Lubrich B, Grosu AL, Momm F: Boswellia serrata acts on cerebral edema in patients irradiated for brain tumors: a prospective, randomized, placebo-controlled, double-blind pilot trial. 2011.
  • Sander O, Herborn G, Rau R: Is H15 (resin extract of Boswellia serrata, "incense") a useful supplement to established drug therapy of chronic polyarthritis? Results of a double-blind pilot study. 1998.

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